Eem-Interglazial von Melle-Buer – Naturschutzskandal?

Eem-Interglazial von Melle-Buer
Eem-Interglazial von Melle-Buer Foto: Kloweit-Herrmann, Februar 2019

Beschreibung von Melle Buer

Der Meller Stadtteil Buer umfasst die Ortsteile Barkhausen, Bulsten, Holzhausen, Hustädte, Markendorf, Löhlingdorf, Meesdorf, Sehlingdorf, Tittingdorf, Wehringdorf und Wetter. Aus dem erstmals 1209 urkundlich erwähnten Bure wurde der heutige Ortsname Buer. Im Ortsteil Markendorf befindet sich in einem ehemaligen Steinbruch der Grüne See, der seinen Namen durch die türkis-grüne Färbung seines Wassers erhielt. Der Wasserfall am Grünen See ist mit seinen drei Fallstufen und einer Gesamthöhe von 5 Metern der größte Wasserfall des Wiehengebirges. (Quelle: Stadt Melle-Buer)

Was wurde in Melle Buer entdeckt?

In einer Sandgrube östlich des Ortes Buer fand sich eine knapp 2 m mächtige Schichtfolge aus Torf, Mudde und humosem Schluff, unterlagert von Beckenschluff, Geschiebelehm und kieshaitigen Schmelzwassersanden aus dem Orenthe-Stadium der Saale-Kaltzeit. Überlagert werden die organischen Schichten von Beckenschluff und Lößlehm der Weichsel- Kaltzeit. Die pollenanalytischen Ergebnisse zeigen, daß die 30 cm mächtige Torfschicht im Hangenden des Beckenschluffs mit Sicherheit in das frühe Eem-Interglazial zu stellen ist. Die typischen Pollenabschnitte liegen in sehr komprimierter Form vor, lassen aber gleichwohl die kontinuierliche Abfolge der charakteristischen Waldzeiten erkennen. Besonders bemerkenswert sind die im Vergleich zu anderen Eem-Vorkommen des norddeutschen Flachlandes hohen Ulmen-Werte. Wegen seiner vegetationsgeschichtlichen Besonderheiten und da das Profil das einzige in einem Tagesaufschluß zugängliche Eem-Interglazial-Vorkommen Niedersachsens ist, wurde beantragt, es als geologisches Naturdenkmal unter Naturschutz zu stellen.

Quelle: http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/year/2012/docId/26314

Eem-Warmzeit (Synonym Eem-Interglazial)

  • In der Klimageschichte und auch der Geologie wird zwischen Warmzeiten und Kaltzeiten unterschieden. Eine Warmzeit innerhalb eines Eiszeitalters wird Interglazial genannt.
  • Die Eem ist ein Fluss in den Niederlanden. In seiner Nähe wurde bei Tiefenbohrungen Material aus der letzten Warmzeit  zu Tage gefördert.
  • Die Eem-Warmzeit (Synonym Eem-Interglazial) begann vor etwa 126.000 Jahren und endete vor 115.000 Jahren. In den Schalen von Mikroorganismen in Meeresablagerungen aus dieser Zeit konnte u.a. festgestellt werden, dass der Meeresspiegel 4 bis 6 Meter oberhalb des heutigen Niveaus (NN) lag. Viele der heutigen Ebenen waren überflutet.

Warum ist das Eem-Interglazial von Melle-Buer so interessant?

Das Besondere am Eem-Interglazial von Melle-Buer liegt in der Tatsache, dass es sich um das einzige direkt zugängliche Eem-Interglazial Niedersachsens handelt. Ansonsten steht Material für diesbezügliche wissenschaftliche Untersuchungen nur über aufwendig gewonnene Eisbohrkerne zur Verfügung.

Warum spricht man von einem Naturschutzskandal in Osnabrück?

Der ganze Vorgang ist auf der Seite https://eem-interglazial.de nachzulesen.

„Wegen seiner vegetationsgeschichtlichen Besonderheiten und da das Profil das einzige in einem Tagesaufschluß zugängliche Eem-Interglazial Niedersachsens ist, wurde beantragt, es als geologisches Naturdenkmal unter Naturschutz zu stellen.“ (Meyer & Meyer, S. 81). Die dazu unumgängliche politische Zustimmung der Stadt Melle, auf deren Territorium sich das Interglazial befindet, erfolgte bereits am 9.3.1988 auf der 12. Sitzung des Umweltausschusses des Stadtrates Melle: „Der neue Plan zeigt ….. die Ausweisung des Naturdenkmals. Aufgrund dieser Tatsachen hat das Tiefbau- und Umweltamt eine positive Stellungnahme abgegeben, da eine politische Diskussion nach Ansicht der Verwaltung nicht mehr notwendig ist. Die Stellungnahme wurde von der Bauaufsicht dem Landkreis aber noch nicht zugeleitet.“ Der ganze Vorgang wird hier dokumentiert. (Denkmalrecht Niedersachsen)