Museum Œuvre Notre-Dame (Museum der Liebfrauenwerke) in Straßburg

Wer nach dem Besuch des Straßburger Münsters noch Zeit hat, sollte nicht direkt weiterziehen. Nur wenige Schritte vom Hauptportal entfernt, in der Place du Château 3, liegt das Musée de l’Œuvre Notre-Dame, im Deutschen manchmal auch Frauenhausmuseum genannt, ein Museum, das eng mit der Baugeschichte der Kathedrale selbst verwoben ist.

Eine Institution, fast so alt wie das Münster

Namensgeber des Museums ist die Fondation de l’Œuvre Notre-Dame, eine Institution, deren erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1281 zurückgeht. Ursprünglich verwaltete sie die Baustelle des Münsters, sammelte Spenden und Mittel für Bau und Unterhalt der Kathedrale, eine Aufgabe, der sie bis heute nachgeht. Genau aus diesem Grund verwahrt die Stiftung seit Jahrhunderten auch die originalen Baupläne des Münsters sowie zahlreiche Originalskulpturen, die im Laufe der Zeit von der Fassade abgenommen und durch Kopien ersetzt wurden, etwa weil sie durch Wetter oder die Wirren der Französischen Revolution beschädigt waren.

Vier Sammlungen unter einem Dach

Das Museum in seiner heutigen Form entstand 1931, als vier bis dahin getrennt untergebrachte Sammlungen oberrheinischer Kunst zusammengeführt wurden. Untergebracht ist es im halb gotischen, halb Renaissance geprägten Kernbau der Stiftung sowie in mehreren umliegenden frühbarocken Fachwerkhäusern aus dem 14. bis 16. Jahrhundert, mit einem ruhigen gotischen Innenhofgarten dazwischen. Insgesamt erstreckt sich der Rundgang über rund 40 Räume, chronologisch aufgebaut von der Romanik bis zum Jahr 1681, dem Jahr, in dem Straßburg an das Königreich Frankreich fiel und damit symbolisch der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit markiert wird.

Was zu sehen ist

Das Herzstück der Sammlung bilden die originalen mittelalterlichen Skulpturen vom Münster selbst, darunter die berühmten Figuren der Ecclesia und der Synagoge, allegorische Darstellungen der triumphierenden Kirche und der geschlagenen Synagoge, ein für die Kunst des Mittelalters typisches, aus heutiger Sicht durchaus kritisch zu betrachtendes Bildprogramm. Dazu kommen Arbeiten des Bildhauers Nicolas Gerhaert von Leyden, Glasfenster von Peter Hemmel von Andlau sowie Gemälde von Conrad Witz und Hans Baldung Grien. In den Sälen zur Renaissance und zum 17. Jahrhundert liegt ein weiterer Schwerpunkt auf Stillleben von Sébastien Stoskopff, einem der bedeutendsten Vertreter dieser Gattung im deutschsprachigen Raum. Auch Überreste des 1681 zerstörten Lettners, der einstigen steinernen Chorschranke des Münsters, sind hier ausgestellt.

Besucher Hinweise

Geöffnet ist das Museum täglich außer montags, unter der Woche von 10 bis 13 und von 14 bis 18 Uhr, am Wochenende durchgehend von 10 bis 18 Uhr, letzter Einlass jeweils um 17.30 Uhr. Geschlossen bleibt das Haus am 1. Januar, Karfreitag, 1. Mai, 1. November, 11. November und 25. Dezember. Wer ein Ticket für die Münsterplattform gekauft hat, bekommt beim Museumsbesuch häufig einen ermäßigten Eintritt, das lohnt sich also zu kombinieren. Einige, aber nicht alle Räume sind mit Aufzug erreichbar, für Gäste mit eingeschränkter Mobilität lohnt sich vorab ein Blick auf die genaue Zugänglichkeit der einzelnen Gebäudeteile.

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