Fichtelbergschanze in Oberwiesenthal

Unser Besuch im September

Wir waren im September in Oberwiesenthal, kein Schnee, keine Wettkämpfe, dafür lag die Schanze fast menschenleer vor uns. Genau das macht einen Besuch außerhalb der Saison interessant: Man steht am Fuß eines riesigen Bauwerks, hört nur den Wind und muss sich erst mal klarmachen, dass Menschen hier oben tatsächlich abspringen. Olga meinte, aus der Ferne sehe die Anlage aus wie eine Achterbahn ohne Schienen. Ganz falsch ist der Vergleich nicht.

Die Fichtelbergschanze gilt als höchstgelegene Sprungschanze Deutschlands, was am Fuß des Fichtelbergs, mit 1.215 Metern der höchste Berg Sachsens, auch nicht überrascht. Wer schon oben steht, sollte sich Zeit für die Geschichte des Ortes nehmen, denn die reicht deutlich weiter zurück, als der stählerne Turm vermuten lässt.

Wie alles begann: die erste Schanze am Fichtelberg

Skisprunggeschichte wird in Oberwiesenthal seit 1911 geschrieben, damals noch am Schönjungferngrund. Die eigentliche Fichtelbergschanze, mit dem markanten Holzturm, entstand erst später: Baubeginn 1936, Einweihung 1938 nach zwei Jahren Bauzeit. Bis 1945 trug sie den Namen „Martin-Mutschmann-Schanze“, benannt nach dem sächsischen NS-Gauleiter, ein Name, der aus heutiger Sicht viel über die Zeit ihrer Entstehung erzählt.

Auf dieser alten Holzschanze waren Sprünge um die 80 Meter möglich, für die damalige Zeit beachtlich. Den letzten Schanzenrekord der alten Anlage stellte 1970 der Tscheche Jiří Raška auf, mit 85 Metern, kurz bevor die Schanze abgerissen wurde.

Neubau und Rekonstruktion

Von 1972 bis 1974 entstand die neue Fichtelbergschanze mit Stahlturm, deutlich moderner als ihre Vorgängerin. Auf dieser Anlage sprang 1996 Jens Weißflog, mehrfacher Olympiasieger und Weltmeister, vor mehr als 15.000 Zuschauern seinen Abschiedssprung auf der eigenen Heimschanze und stellte dabei mit 102 Metern den bis heute gültigen Schanzenrekord auf. Wer aus dem Erzgebirge kommt, kennt diesen Moment vermutlich aus Erzählungen der Eltern oder Großeltern, für den Ort war das offenbar ein großer Tag.

Zwischen 2000 und 2002 wurde die Schanze noch einmal grundlegend rekonstruiert und trägt seither ein K95-Profil. 2013 folgte für rund 1,8 Millionen Euro die nächste Modernisierung: neue Anlaufkonstruktion, neue Anlaufspur, dazu eine Flutlichtanlage, die Sprünge auch am Abend möglich macht.

Die Schanze heute

Heute ist die Fichtelbergschanze Teil des Bundesstützpunkts Oberwiesenthal und wird ganzjährig genutzt, im Sommer auf Matten, im Winter auf Schnee. Neben der großen K95-Schanze gehören mehrere kleinere Anlagen dazu, von K15 bis K64, auf denen der Nachwuchs das Springen lernt. 2020 war Oberwiesenthal Austragungsort der Junioren-Weltmeisterschaften im Skispringen, ein Ereignis, das im Rückblick noch einmal an Bedeutung gewonnen hat: Es war eine der letzten großen Sportveranstaltungen mit Publikum, bevor die Corona-Pandemie den Wintersport für zwei Jahre lahmlegte.

Was man bei einem Besuch sehen kann

Direkt an der Anlage gibt es ein kleines Museum mit historischer Ausrüstung, Pokalen und Erinnerungsstücken bekannter Springer, darunter natürlich einiges zu Jens Weißflog. Wer mag, kann das Schanzenprofil zu Fuß hinaufsteigen und sich von oben ansehen, was Sportler kurz vor dem Absprung sehen, ein Blick, der einem ziemlich schnell Respekt vor dem Sport einflößt. Geführte Touren über das Areal finden regelmäßig dienstags statt, dabei kommt man an Stellen, die sonst nicht zugänglich sind.

Wir sind einfach den Weg am Fuß der Schanze entlanggelaufen und dann die Treppen hoch, so weit es ohne Führung ging. Für einen Nachmittag hat das völlig gereicht, kombiniert mit einem Abstecher zur Fichtelberg-Schwebebahn ein Stück weiter oben.

Praktische Hinweise für den eigenen Besuch

Die Anlage liegt am Ortsrand von Oberwiesenthal, ausgeschildert und zu Fuß von der Ortsmitte aus gut erreichbar. Öffnungszeiten für Museum und geführte Touren ändern sich je nach Saison und Trainingsbetrieb der Athleten, ein Blick auf die Website der Kurstadt Oberwiesenthal vor der Anreise erspart unnötige Wege. Wer im Winter kommt, hat gute Chancen, echtes Training oder sogar einen Wettkampf live zu sehen, im Sommer ist dafür die Anlage selbst leichter zugänglich und deutlich weniger überlaufen.

Häufige Fragen zur Fichtelbergschanze

Wann wurde die Fichtelbergschanze gebaut?

Die erste Schanze wurde 1936 begonnen und 1938 eingeweiht. Der heutige Stahlturm entstand 1972 bis 1974, die Schanze wurde zwischen 2000 und 2002 noch einmal umfassend rekonstruiert.

Wer hält den Schanzenrekord?

Jens Weißflog stellte 1996 bei seinem Abschiedssprung auf der Heimschanze mit 102 Metern den bis heute gültigen Rekord auf.

Warum heißt sie höchstgelegene Sprungschanze Deutschlands?

Weil sie am Fuß des Fichtelbergs liegt, mit 1.215 Metern der höchste Berg Sachsens. Keine andere deutsche Sprungschanze liegt so hoch.

Kann man die Fichtelbergschanze besichtigen?

Ja, das Schanzenprofil lässt sich zu Fuß begehen, dazu gibt es ein Museum zur Geschichte des Skispringens im Erzgebirge. Geführte Touren finden regelmäßig dienstags statt.

Welche Wettkämpfe fanden hier statt?

Neben Weltcup-Springen und Weltcups in der Nordischen Kombination in den 1980er Jahren war Oberwiesenthal 2020 Austragungsort der Junioren-Weltmeisterschaften im Skispringen.

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