Der Mailänder Dom: Sechs Jahrhunderte an einer einzigen Kirche

Mitten in Mailand, auf der Piazza del Duomo, steht ein Bauwerk, an dem buchstäblich Generationen gearbeitet haben. Der Mailänder Dom, italienisch Duomo di Milano, ist nicht einfach nur die größte Kirche Italiens, er ist auch ein Paradebeispiel dafür, wie ein einziges Bauprojekt über fast sechshundert Jahre hinweg immer wieder neue Stilrichtungen aufgenommen hat, ohne am Ende wie ein Flickwerk zu wirken.

Ein Bauprojekt, das Generationen überdauerte

Den offiziellen Baubeginn markiert das Jahr 1386, initiiert von Gian Galeazzo Visconti, dem damaligen Herrscher Mailands, gemeinsam mit Erzbischof Antonio da Saluzzo. Schon ein Jahr später gründeten sie die Veneranda Fabbrica del Duomo, eine eigene Institution, die sich ausschließlich um den Bau kümmerte und bis heute für die Erhaltung der Kathedrale zuständig ist. Geweiht wurde der Dom bereits 1418, obwohl da längst nicht alles fertig war. Die Fassade ließ noch bis 1805 auf sich warten, fertiggestellt schließlich auf Befehl Napoleons, der sich in Mailand zum König von Italien krönen lassen wollte und eine vollendete Kathedrale dafür offenbar für angemessen hielt. Offiziell abgeschlossen wurden die Arbeiten sogar erst 1965. Über die Jahrhunderte hinterließen zahlreiche Baumeister ihre Spuren, unter den beteiligten Künstlern werden unter anderem Leonardo da Vinci und Giotto genannt, wenn auch eher mit Ideen und Entwürfen als mit direkter Bauausführung.

Zahlen, die den Maßstab verdeutlichen

Mit einer Grundfläche von rund 11.700 Quadratmetern, einer Länge von etwa 157 Metern und Platz für bis zu 40.000 Menschen zählt der Dom zu den größten Kirchenbauten der Welt, in Rankings meist auf Platz vier oder fünf, je nachdem, ob und wie man den Petersdom im eigenständigen Vatikanstaat mitzählt. In Italien selbst ist der Mailänder Dom jedenfalls die größte Kirche. Gebaut wurde er fast ausschließlich aus weißem Marmor, der aus den Steinbrüchen von Candoglia am Lago Maggiore stammt und dem Bauwerk seinen charakteristischen hellen Glanz verleiht.

Mehr Statuen als jedes andere Bauwerk der Welt

Was den Dom architektonisch besonders macht, ist der schiere Skulpturenreichtum: 135 Turmspitzen und über 3.400 Statuen zieren das Äußere, dazu kommen 96 Wasserspeier entlang der Dachgesimse. Damit besitzt der Mailänder Dom Berichten zufolge die größte Sammlung an Statuen aller Gebäude weltweit. Fünf massive Bronzetüren führen ins Innere, die mittlere zeigt Szenen aus dem Leben Marias.

Die Madonnina: Wahrzeichen und Bauvorschrift zugleich

Auf der höchsten Turmspitze thront in 108,5 Metern Höhe eine vergoldete Statue der Jungfrau Maria, liebevoll Madonnina genannt, gut vier Meter hoch und aus vergoldetem Kupfer gefertigt. Über das genaue Jahr ihrer Aufstellung gehen die Angaben auseinander, teils wird 1762, teils 1774 genannt, ausgeführt hat sie jedenfalls der Bildhauer Giuseppe Perego. Für die Mailänder ist sie mehr als nur Dekoration: Jahrzehntelang galt die inoffizielle, später sogar offizielle Regel, dass kein Gebäude der Stadt höher sein dürfe als die Madonnina. Als moderne Wolkenkratzer wie der Pirelli-Turm diese Grenze irgendwann überschritten, stellte man dort symbolisch kleine Repliken der Madonnina auf, um die Tradition zumindest im übertragenen Sinn zu wahren.

Ein Detail für Feinspitze: die Sonnenuhr im Boden

Wer nach unten statt nach oben schaut, findet im Boden der Kathedrale eine Sonnenuhr aus dem 18. Jahrhundert. Ein kleines Loch in der Decke lässt einen Lichtstrahl auf eine Messinglinie am Boden fallen, der exakt den Sonnenmittag und die jeweiligen Tierkreiszeichen anzeigt, präzise genug, dass Mailand über lange Zeit seine Uhren danach ausrichtete.

Praktischer Hinweis

Der Besuch des Doms ist kostenpflichtig, ebenso der Zugang zu den Dachterrassen, von wo aus sich die Statuen und die Madonnina aus nächster Nähe betrachten lassen, entweder zu Fuß über Treppen oder per Aufzug. Die Öffnungszeiten variieren je nach Bereich und Saison, an Feiertagen und bei besonderen Anlässen kann es zusätzliche Einschränkungen geben, ein Blick auf die aktuellen Zeiten vor dem Besuch lohnt sich also.

Quelle: www.mailandreise.net

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