Straßburger Münster: Alles, was Besucher wissen sollten

Mitten auf der Grande Île, der Altstadtinsel Straßburgs, ragt ein Bauwerk in den Himmel, das über Jahrhunderte als höchstes Gebäude der Welt galt. Die Cathédrale Notre-Dame de Strasbourg, im Deutschen meist schlicht Straßburger Münster genannt, ist bis heute das Wahrzeichen des Elsass, sichtbar sogar vom gut drei Kilometer entfernten deutschen Rheinufer und bei guter Fernsicht noch aus 80 bis 90 Kilometern Entfernung von den Vogesen oder dem Schwarzwald aus.

Sechs Jahrhunderte Bauzeit

Begonnen wurde der Bau 1015 als romanische Kirche, der gotische Umbau folgte zwischen 1235 und 1439. In diesem letzten Jahr wurde der 142 Meter hohe Nordturm fertiggestellt, der bis heute einzige Turm des Münsters, denn der geplante Südturm wurde nie gebaut. Genau diese Asymmetrie gilt inzwischen als eines der charakteristischsten Merkmale des Bauwerks. Von mindestens 1647 bis 1874 war das Münster mit seinem Turm das höchste Bauwerk der Menschheit, danach übernahm die Hamburger Nikolaikirche diesen Titel. Errichtet wurde die Kathedrale aus rosafarbenem Vogesensandstein, dessen Farbe sich je nach Tageszeit und Lichteinfall sichtbar verändert.

Die astronomische Uhr

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Das bekannteste Ausstattungsstück im Inneren ist die astronomische Uhr im südlichen Querhaus, rund 18 Meter hoch und reich mit Skulpturen verziert. Bereits im Mittelalter gab es ein erstes Uhrwerk, das heutige, dritte Modell stammt aus dem Jahr 1842 und wurde vom Straßburger Uhrmacher Jean-Baptiste Schwilgué gebaut. Täglich um 12.30 Uhr, angepasst an den Straßburger Meridian und damit eine halbe Stunde nach der eigentlichen Mittagszeit, ziehen die Figuren der zwölf Apostel grüßend an einer Christusfigur vorbei, begleitet von den vier Lebensaltern, die an der Todesfigur vorbeidefilieren. Wer das Schauspiel sehen möchte, sollte spätestens um 11.35 Uhr am Südportal an der Place du Château ein separates Ticket kaufen, der Eintritt zur Uhr ist nicht im freien Zugang zum Kirchenschiff enthalten.

Fassade, Rosette und Engelspfeiler

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Victor Hugo beschrieb das Münster einst als ein Wunder, unermesslich und zierlich zugleich, eine Einschätzung, die sich beim Blick auf die Hauptfassade nachvollziehen lässt. Hunderte Skulpturen prägen das Bild, dazu eine Fensterrose mit 15 Metern Durchmesser über dem Hauptportal. Im Innern zählen der sogenannte Engelspfeiler, eine steinerne Säule mit Engelsfiguren, sowie die reich verzierte Kanzel aus dem 15. Jahrhundert und die berühmte Orgel zu den Höhepunkten. Zu bestimmten Zeiten im Frühling und Herbst, wenn Tag und Nacht etwa gleich lang sind, lässt sich zudem der sogenannte grüne Strahl beobachten, ein seltenes Lichtphänomen, bei dem ein grünlicher Lichtstrahl durch ein Fenster des südlichen Seitenschiffs bis zum Kopf der Christusfigur an der Kanzel wandert.

Der Aufstieg zur Plattform

Wer schwindelfrei und einigermaßen fit ist, sollte den Aufstieg zur Aussichtsplattform in 66 Metern Höhe nicht auslassen, über 330 Stufen. Unterwegs passiert man das 1782 erbaute Wächterhaus, früher zur Brandwache genutzt, heute mit einer kleinen Ausstellung zur Geschichte des Münsters. Oben angekommen reicht der Blick über die Dächer der Altstadt bis zu Vogesen, Kaiserstuhl und Schwarzwald, an klaren Tagen ein Panorama, für das sich die Mühe lohnt.

Bewegte Geschichte

1529 wurde Straßburg protestantisch, damals entfernte man rund 40 Altäre aus dem Münster. Erst 1681, mit der Rückeroberung durch Frankreich unter Ludwig XIV., kehrte das Gebäude wieder in katholische Hände zurück. Beschädigt wurde das Münster außerdem 1870 während der Belagerung Straßburgs sowie 1944 im Zweiten Weltkrieg. 1940 besichtigte Adolf Hitler das Bauwerk und plante, daraus ein „Nationalheiligtum des deutschen Volkes“ zu machen, ein Vorhaben, das durch den weiteren Kriegsverlauf nicht mehr umgesetzt wurde.

Tipps für den Besuch

Das Münster ist täglich geöffnet, außer am 1. Januar, 1. Mai und 25. Dezember. Der Zugang zum Kirchenschiff ist kostenlos, für den Turmaufstieg und den Besuch der astronomischen Uhr fallen separate Gebühren an. Für eine vollständige Besichtigung, Innenraum und Turm zusammen, sollte man zwischen einer und zwei Stunden einplanen. Erreichbar ist das Münster mit der Straßenbahn der Linien A oder D bis Langstross Grand’Rue, oder mit verschiedenen Buslinien. In der Hauptsaison bilden sich am Eingang teils lange Warteschlangen, ein Besuch am Vormittag ist deshalb empfehlenswert. In unmittelbarer Nähe liegen zudem der Palais Rohan und das Musée de l’Œuvre Notre-Dame, beide lassen sich gut mit dem Münsterbesuch verbinden. Seit 1988 gehört die gesamte Altstadtinsel Grande Île, mit dem Münster als Mittelpunkt, zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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