Martin-Luther-Kirche Oberwiesenthal

Die Kirche auf 900 Metern Höhe

Wer sich Oberwiesenthal von Weitem nähert, sieht sie meist schon vor dem Ort selbst: die Martin-Luther-Kirche, 900 Meter über dem Meeresspiegel am Fuß des Fichtelbergs gelegen und weithin sichtbar. Zusammen mit der Fichtelbergschanze und der Schwebebahn gehört sie zu den Bauwerken, die das Bild der Stadt von der Ferne aus prägen, nur eben deutlich älter als beide.

Vom Fachwerk zur Stadtkirche: die Vorgängerbauten

Die Kirchengeschichte des Ortes reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Damals stand genau auf der Gemarkungsgrenze zwischen Ober- und Unterwiesenthal ein erstes Gotteshaus, eine Fachwerkkirche, die eine ältere Kapelle in Niederwiesenthal überflüssig machte. Weil dieser Bau bald baufällig und für die wachsende Bevölkerung zu klein wurde, errichtete die Gemeinde zwischen 1665 und 1669 eine steinerne Stadtkirche an gleicher Stelle, mit einem Turm, dessen Fundamente teils schon zwischen 1642 und 1658 entstanden waren.

Dieser Bau hielt knapp zweihundert Jahre. Beim großen Stadtbrand am 5. August 1862 brannte die Kirche vollständig ab und wurde danach komplett abgetragen.

Neubau im neugotischen Stil

Auf den alten Grundmauern entstand zwischen 1863 und 1866 der heutige Bau, entworfen vom Architekten Carl Wendler aus Zschopau, im damals beliebten neugotischen Stil. Ihren heutigen Namen bekam die Kirche erst gut sechzig Jahre später: Am 14. August 1927 weihte Landesbischof Ludwig Ihmels das Gebäude, das kurz zuvor unter Architekt Woldemar Kandler renoviert und teilweise umgebaut worden war, anlässlich der 400-Jahr-Feier Oberwiesenthals auf den Namen Martin Luther neu ein. 1977, zur 450-Jahr-Feier des Ortes, folgte eine weitere umfassende Innenrenovierung, im Wesentlichen die Form, die man heute noch vorfindet.

Das Innere der Kirche

Der verputzte Bau hat einen eingezogenen, dreiseitig geschlossenen Chor und einen südlich angebauten Turm, was in älteren Beschreibungen gelegentlich falsch als Westturm bezeichnet wird. Das dreischiffige Innere wird von einem Kreuzrippengewölbe überspannt, über dem Chor liegt ein Sternengewölbe, entlang dreier Wände zieht sich eine einstöckige Empore.

Die bunten Fenster an den Längsseiten stammen aus den Jahren 1899 und 1900, gefertigt nach Entwürfen des Leipziger Künstlers Erhard Ludewig Winterstein, mit Szenen aus dem Neuen Testament und der Kirchengeschichte. In eines der Fenster wurde später ein Porträt Martin Luthers eingearbeitet, was angesichts des Kirchennamens fast folgerichtig wirkt.

Der Altar aus Zöblitzer Serpentin trägt ein Gemälde des Dresdner Historienmalers Andreae, das die Bibelszene „Maria von Magdala begegnet dem Auferstandenen“ zeigt. Die Kanzel ist ein Schnitzwerk aus dunklem Holz, um deren Korb die Apostel angeordnet sind, dazu ein passender Schalldeckel. Zwei Kronleuchter aus der Vorgängerkirche wurden restauriert und hängen bis heute im Kirchenschiff.

Die Orgel stammt von 1866, gebaut von Johann Gotthilf Bärmig, mit 26 Registern auf zwei Manualen und Pedal sowie 1.551 Pfeifen. 1964 wurde ihr Klang durch größere Eingriffe deutlich verändert, was der Substanz über die Jahrzehnte nicht gutgetan hat. Zwischen 2009 und 2010 erfolgte deshalb eine komplette Restaurierung durch die Orgelbaufirma Georg Wünning aus Großolbersdorf, mit neuen Registern und neuen Prospektpfeifen aus Zinn, Wiedereinweihung war am 17. Oktober 2010.

Die ursprünglichen bronzenen Kirchenglocken mussten in beiden Weltkriegen teilweise abgeliefert werden. Die letzte verbliebene Glocke wurde 2013 durch drei neu gegossene Glocken der Glockengießerei Grassmayr aus Innsbruck ersetzt, jede mit einem eigenen Bibelvers verziert, eingeläutet am Reformationstag desselben Jahres.

Die Oberwiesenthaler Weihnachtskrippe

Ein Detail, das viele Besucher überrascht: Jedes Jahr vom ersten Advent bis Ende Februar zeigt die Kirche die Oberwiesenthaler Weihnachtskrippe, geschnitzt vom einheimischen Maler und Schnitzer Carl Hertelt und 1896 vollendet. Sie ist im Originalzustand erhalten, ein seltener Fall bei einem Objekt dieses Alters, und steht nördlich des Portals im Turmbereich.

Sanierung und Erhalt

Im Jahr 2000 gründete sich ein Förderverein, der seither Spenden sammelt und Konzerte sowie Benefizveranstaltungen organisiert, um die laufende Sanierung zu finanzieren. Die Liste der Maßnahmen ist lang: 2002 neuer Dachstuhl und restaurierte Fialen samt Turmkreuz, 2003 Trockenlegung des Kirchenschiffs und Restaurierung der Bleiglasfenster, 2004 bis 2006 neues Sakristeidach und rekonstruierte Außentreppe, 2008 ein neues Dach zwischen Kirchenschiff und Turm, 2009/2010 die Orgelrestaurierung, 2013 neue Glocken und wiederhergestellte Treppen im Turm, 2014 schließlich die komplette Sanierung des Turms mit neuem Putz, Dach und Glockenstuhl. Allein die letzte große Sanierungsrunde inklusive der neuen Glocken kostete rund 900.000 Euro, einen größeren Teil davon trug der Bund als Fördermittel.

Besichtigung und praktische Infos

Die Kirche liegt an der Bahnhofstraße 2, 09484 Kurort Oberwiesenthal. Für Besichtigungen gibt es feste Zeiten, die die Kirchgemeinde online veröffentlicht, in der Regel ist die Kirche nachmittags für Besucher geöffnet. Die Kirchkanzlei erreicht man montags von 10 bis 16 Uhr und freitags von 8:30 bis 12 Uhr, telefonisch unter 037348 8546 oder per Mail an [email protected]. Wer die Krippe sehen möchte, sollte den Besuch zwischen erstem Advent und Ende Februar einplanen, außerhalb dieser Zeit ist sie eingelagert.

Häufige Fragen zur Martin-Luther-Kirche

Wann wurde die Martin-Luther-Kirche gebaut?

Der heutige Bau entstand zwischen 1863 und 1866. Ihren Namen Martin-Luther-Kirche erhielt sie erst 1927, anlässlich der 400-Jahr-Feier Oberwiesenthals.

Warum heißt die Kirche Martin-Luther-Kirche?

Der Name wurde erst bei einer Neueinweihung 1927 vergeben, vorher war schlicht von der Stadtkirche Oberwiesenthal die Rede.

Was ist an der Orgel besonders?

Die Bärmig-Orgel von 1866 hat 26 Register auf zwei Manualen und Pedal sowie 1.551 Pfeifen. Sie wurde 2009/2010 umfassend restauriert und 2010 wiedereingeweiht.

Wann kann man die Weihnachtskrippe sehen?

Vom ersten Advent bis Ende Februar, im Original von 1896 erhalten, geschnitzt vom Oberwiesenthaler Künstler Carl Hertelt.

Wo genau steht die Kirche?

An der Bahnhofstraße 2 in 09484 Kurort Oberwiesenthal, am Fuß des Fichtelbergs, auf rund 900 Metern Höhe.

Kann man die Kirche einfach besichtigen?

Ja, sie ist zu festgelegten Zeiten für Besucher geöffnet, meist nachmittags. Aktuelle Zeiten sind über die Kirchgemeinde erhältlich.

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