Schmalkalden für Touristen: Was man über die Stadt wissen sollte

Schmalkalden Touristeninformation

Schmalkalden liegt am südwestlichen Hang des Thüringer Waldes, in einem Talkessel, durch den die Schmalkalde fließt, ein Nebenfluss der Werra. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Stadt 874, Stadtrecht bekam sie um 1180. Heute leben rund 20.000 Menschen hier, verwaltungsmäßig gehört Schmalkalden zum Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Wer zum ersten Mal durch die Altstadt läuft, merkt schnell, warum die Stadt oft als schönste Fachwerkstadt Südthüringens bezeichnet wird: rund 90 Prozent der Gebäude im historischen Zentrum stammen aus dem Spätmittelalter und sind bis heute als Fachwerkbauten erhalten.

Ein Ort, an dem Reformationsgeschichte geschrieben wurde

Wer sich für Geschichte interessiert, kommt an einem Namen nicht vorbei: dem Schmalkaldischen Bund. 1530/31 gründete sich hier das Verteidigungsbündnis protestantischer Reichsstände, ein Zusammenschluss, der von Riga bis Straßburg reichte und als militärischer und politischer Schutzschild der Reformation galt. Acht Mal tagte der Bund in Schmalkalden, unter anderem 1537, als Martin Luther im Lutherhaus die nach der Stadt benannten Schmalkaldischen Artikel vorlegte, ein zentrales Bekenntnisdokument des Protestantismus. Historiker sehen in der Bundesgründung sogar den eigentlichen Beginn der europäischen Kirchenspaltung.

Schloss Wilhelmsburg als Hauptattraktion

Schloss Wilhelmsburg
Schloss Wilhelmsburg Bild: Tilman2007 CC BY-SA 3.0

Über der Altstadt thront Schloss Wilhelmsburg, ab 1585 als Nebenresidenz der hessischen Landgrafen anstelle einer mittelalterlichen Burg errichtet und heute eines der bedeutendsten Renaissanceschlösser Deutschlands. Die Innenräume mit ihren manieristischen Wandmalereien und Stuckarbeiten sind weitgehend original erhalten, im Keller zeigt eine Dauerausstellung anhand eines begehbaren Stadtmodells die Geschichte des Schmalkaldischen Bundes. Von April bis Oktober ist das Schloss täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, von November bis März dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr. Zum Schloss gehört außerdem ein historischer Terrassengarten, der zur Landesgartenschau 2015 originalgetreu wiederhergestellt wurde.

Schmalkalden

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Altstadt

Direkt am Markt steht die spätgotische Hallenkirche St. Georg, deren Turm sich zwischen Mai und Oktober besteigen lässt, mit Panoramablick über die ganze Stadt von der sogenannten Türmerstube. Wer sich für Handwerksgeschichte interessiert, findet im Fachwerk-Erlebnishaus Hintergründe zur Bauweise der Stadt, im Historicum Zinnfigurenmuseum dagegen eine Reise durch die Weltgeschichte im Miniaturformat. Weniger bekannt, aber interessant: Schmalkalden war jahrhundertelang eine der Waffenschmieden des Thüringer Walds, neben Suhl und Zella-Mehlis. Die 1745 gegründete Gewehrfabrik Pistor belieferte bis ins 19. Jahrhundert Kunden weltweit, bis hin zu einer eigenen Vertretung in den USA, Spuren davon lassen sich bei Stadtführungen zum Thema noch heute besichtigen.

Schmalkalden

Nougat als zweites Markenzeichen

Neben der Reformationsgeschichte hat Schmalkalden noch ein zweites, deutlich süßeres Standbein: Seit 1893 wird hier Nougat hergestellt, heute unter der Marke Viba, mittlerweile größter eigenständiger Süßwaren-Filialist Deutschlands. In der Viba Nougat-Welt lässt sich die Produktion besichtigen, es gibt eine Schauconfiserie, eine Genusswerkstatt zum Selbermachen und einen Nougat-Brunnen als Fotomotiv. Seit 2026 positioniert sich die Stadt gezielt als erste Nougatstadt Deutschlands, mit einer eigenen Themen-Tour, die Altstadt und Nougatwelt verbindet.

Schmalkalden

Natur vor der Haustür

Wer nach der Stadtbesichtigung noch Zeit hat, muss nicht weit fahren: Wanderwege führen direkt aus Schmalkalden hinaus in den Thüringer Wald und die Rhön, der Fernwanderweg Rennsteig ist in überschaubarer Entfernung erreichbar. Im Winter liegt das Skigebiet Oberhof nicht weit entfernt. Für Interessierte an Bergbaugeschichte lohnt sich zudem das Besucherbergwerk Finstertal, wo bis 1934 Eisen- und Manganerz abgebaut wurde und heute 350 Meter Stollen mit fluoreszierenden Mineralien und historischer Grubentechnik besichtigt werden können.

Schmalkalden

Praktische Hinweise zur Anreise

Mit dem Auto erreicht man Schmalkalden über die A71, Abfahrt Meiningen-Nord, oder über die A4 Richtung Eisenach und weiter auf der B19. Es gibt außerdem einen eigenen Bahnhof, der nächstgelegene Flughafen ist Erfurt. Von Schmalkalden aus sind Erfurt, Eisenach, Meiningen und Jena mit Auto, Bahn oder Bus vergleichsweise schnell zu erreichen, für einen längeren Aufenthalt lohnt sich also durchaus, die Stadt als Ausgangspunkt für Tagesausflüge in die Region zu nutzen.

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