Veröffentlicht im August 2012
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Mit der Kutsche über den Altstädter Ring
Wer schon einmal am Prager Altstädter Ring stand, kennt das Bild: Zwischen den Ständen der Straßenkünstler und den Touristengruppen vor der astronomischen Uhr warten die Kutschen, Pferde mit Schleifen im Zaumzeug, Kutscher in dunklen Jacken, bereit für die nächste Runde durch die Altstadt. Für viele Prag-Besucher gehört eine Kutschfahrt zum Pflichtprogramm, gleich neben Karlsbrücke und Burg, auch wenn sie touristischer kaum sein könnte.
Die Route
Die klassische Fahrt führt vom Altstädter Ring über die prachtvolle Pariser Straße Richtung Jüdisches Viertel, weiter über die Čech-Brücke ans Moldauufer und zurück über die Mánesbrücke, mit einem schönen Blick auf Karlsbrücke und Kleinseite. Unterwegs passiert man das Rathaus mit der berühmten Aposteluhr, die Altneusynagoge und, je nach Route, auch die Silhouette der Prager Burg über den Dächern. Eine ganze Runde dauert üblicherweise zwischen 20 und 40 Minuten, je nachdem, welche Strecke man mit dem Kutscher vereinbart.
Praktisches zur Buchung
Eine Kutsche fasst in der Regel bis zu vier Personen, meist drei Fahrgäste und den Kutscher selbst. Gezahlt wird pro Kutsche, nicht pro Person, was die Fahrt für Paare vergleichsweise teuer und für kleine Gruppen deutlich attraktiver macht. Der Preis wird direkt vor Ort verhandelt, es lohnt sich, die Summe und die genaue Route vorher klar abzusprechen, Überraschungen bei der Abrechnung sind sonst keine Seltenheit. Wer es ruhiger mag, sollte eher am Vormittag fahren, am späten Nachmittag ist der Ring meist voller und die Kutschen stehen dichter beieinander.
Ein Stück Prager Bäderromantik
Historisch betrachtet ist die Kutschfahrt am Ring keine touristische Erfindung der letzten Jahre, sondern reicht als Praxis weit zurück, offiziell geregelt ist der Betrieb der Fiaker in der Prager Altstadt schon seit den 1990er Jahren. Wer die Fahrt nicht nur als Fotomotiv sieht, sondern sich auf das gemächliche Tempo einlässt, bekommt einen Blick auf die Altstadt, den man zu Fuß in dem Tempo kaum hinbekommt, und einen guten Grund, das Handy für zwanzig Minuten wegzustecken.
Update 2026: Was von der Kutschfahrt übrig ist
Dieser Beitrag ist über fünf Jahre alt, und in der Zwischenzeit hat sich einiges geändert, das wichtig genug ist, um es hier nachzutragen: Seit dem 20. Oktober 2025 gibt es keine Pferdekutschen mehr am Altstädter Ring. Der Prager Stadtrat kündigte an diesem Tag den seit 1994 laufenden Mietvertrag mit dem Berufsverband der Fiaker und Kutscher Böhmens und Mährens, womit der Betrieb mit sofortiger Wirkung endete.
Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit ums Tierwohl. Bereits zum 1. Januar 2023 waren die Kutschstellplätze aus der offiziellen Marktordnung der Stadt gestrichen worden, die Fiaker fuhren danach fast drei Jahre ohne gültige Genehmigung weiter und wurden vom Gewerbeamt wiederholt mit Bußgeldern belegt. Stadtrat Adam Zábranský begründete das endgültige Aus damit, dass heißer, harter Asphalt, Lärm, Smog und die Nähe zum Autoverkehr für Pferde schlicht ungeeignet seien, im Sommer heizt sich der Straßenbelag in der Stadt auf bis zu 55 Grad Celsius auf. Mehr als 16.000 Menschen hatten zuvor eine Petition mit dem Titel „Ein Pferd ist keine Maschine“ unterschrieben.
Wer heute den Altstädter Ring besucht, findet also weder Kutschen noch Pferde mehr vor, dieser Beitrag ist entsprechend nur noch als historisches Dokument zu lesen. Als Ersatz für die Rundfahrt bieten sich eine kleine Bimmelbahn, Hop-on-Hop-off-Busse oder schlicht ein Spaziergang entlang der beschriebenen Route an, in Städten wie Brüssel oder im mallorquinischen Alcúdia experimentiert man inzwischen mit elektrisch betriebenen Kutschen als tierfreundlicher Alternative, für Prag ist das bislang aber nur eine Idee, kein Angebot.
Häufige Fragen zu Kutschfahrten in Prag
Gibt es 2026 noch Kutschfahrten am Altstädter Ring?
Nein. Seit der Kündigung des Mietvertrags am 20. Oktober 2025 ist der Betrieb dort beendet.
Wie lange dauerte eine klassische Kutschfahrt früher?
Üblicherweise 20 bis 40 Minuten, je nach vereinbarter Route über Pariser Straße, Jüdisches Viertel und Moldauufer.
Warum wurden die Pferdekutschen abgeschafft?
Wegen Tierwohlbedenken: heißer Asphalt im Sommer, Lärm, Smog und die Nähe zum Autoverkehr führten wiederholt zu Erschöpfung und Unfällen bei den Pferden.
Wie viele Personen passten in eine Kutsche?
In der Regel bis zu vier, meist drei Fahrgäste plus Kutscher, abgerechnet wurde pro Kutsche und nicht pro Person.
Was ist heute eine Alternative zur Kutschfahrt?
Eine Bimmelbahn-Rundfahrt, ein Hop-on-Hop-off-Bus oder ein Spaziergang entlang der alten Route über Altstädter Ring, Jüdisches Viertel und Moldauufer.








